Zu Produktinformationen springen
1 von 1

Olga Wohlbrück

Olga Wohlbrück

Olga Wohlbrück gehört zu jenen Frauen der frühen Moderne, deren Leben selbst zum Ausdruck eines kulturellen Aufbruchs wurde. Mit dem Film Ein Mädchen zu verschenken (1913) schrieb sie Filmgeschichte als erste Regisseurin Deutschlands – ein singulärer Akt in einer Epoche, in der weibliche Autorschaft noch um Sichtbarkeit rang. Öffentlichkeit war für Wohlbrück kein Nebenschauplatz, sondern ein Raum der Selbstbehauptung: zwischen Literatur, Theater und frühem Film. An ihrer Berliner Kleinkunstbühne Figaro entdeckte sie Claire Waldoff – ein Moment, der ihr Gespür für neue Stimmen und moderne Ausdrucksformen exemplarisch zeigt. Ihr eigentliches Zentrum aber war das Schreiben. Seit den 1890er Jahren veröffentlichte Olga Wohlbrück Romane, Novellen, Dramen und journalistische Texte und wurde zu einer der produktivsten Erzählerinnen der Großstadtmoderne. Ihre Romane entwerfen ein dichtes Bild moderner Lebenswelten: Kaffeehäuser, Spielmilieus, Sportkult, urbane Beschleunigung, neue Geschlechterrollen. Ihre Prosa ist von sozialer Beobachtung, intellektueller Neugier und einem ausgeprägten Sinn für Freiheit getragen. Ihre Werke wurden zeitgenössisch als Teil des neuen Frauenromans gelesen: Literatur von Frauen, die weibliche Erfahrung nicht als Abweichung, sondern als Erkenntnisform verstand. Zahlreiche Werke wurden verfilmt; bis in die 1920er Jahre arbeitete sie für große Filmgesellschaften und blieb eine feste Größe der kulturellen Öffentlichkeit. Nach heutigen Maßstäben lässt sich Olga Wohlbrück als Celebrity und Influencerin avant la lettre lesen: eine Frau, die Medien nutzte, Öffentlichkeit formte und mit künstlerischer Selbstverständlichkeit Grenzenüberschritt. Ihr Werk steht exemplarisch für eine frühe Phase weiblicher Moderne – für eine Literatur, in der Selbstbestimmung, Sichtbarkeit und ästhetische Radikalität erstmals nachhaltig zusammenfanden.

Vollständige Details anzeigen

Die Lust am Manne

Die Lust am Manne ist ein kühnes, hellsichtiges Buch – ein Roman über Begehren, Macht und weibliche Selbstwahrnehmung zwischen Enge und Freiheit. In den Bewegungen zwischen Großstadt und Provinz, zwischen Berlin, Frankfurt am Main und dem kleinstädtischen Lörnach, entfaltet sich das innere Drama einer Frau, die liebt, beobachtet und sich den Erwartungen nicht fügt. Die Weite der Metropolen und die Nähe der kleinen Stadt stehen dabei in einem stillen, aufgeladenen Gegensatz.
Aus Begegnungen, Blicken und Momentaufnahmen entsteht ein psychologisch präzises Bild weiblicher Erfahrung jenseits moralischer Konventionen. Wohlbrücks Roman verhandelt Fragen, die bis heute nachwirken: die Spannung zwischen Begehren und Selbstbestimmung, zwischen gesellschaftlicher Zuschreibung und innerer Freiheit, zwischen weiblicher Erfahrung und öffentlicher Deutung. Als Werk der Neuen Frauenliteratur antizipiert Die Lust am Manne zentrale Motive moderner feministischer Diskurse – ohne programmatisch zu sein, sondern in der Genauigkeit der Beobachtung, der Radikalität des Empfindens und der leisen Beharrlichkeit, mit der eine weibliche Stimme ihr Recht auf Komplexität behauptet.

Bald verfügbar